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05.11.2005 Zweiter Frauen-SV-Workshop des TJJV, am 4. und 5. November 2005

Zum zweiten Mal seit der Wahl Christian Zinks zum Frauenreferenten richtete der TJJV in Thüringen einen SV-Workshop für Frauen, Mädchen und Übungsleiter aus. Etwa 15 Teilnehmerinnen aus ganz Thüringen trafen sich an beiden Tagen in der Halle des KSV Jitoku in Gamstädt. Dieses Mal kamen auch etliche Frauen, die selber keinen Kampfsport betreiben. Unter ihnen befanden sich etliche Lehrer, Erzieher und Übungsleiter, die ihr Wissen an viele andere weitergeben werden, die nicht zu solchen Workshops kommen. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, denn dieser Kurs richtete sich gerade an Frauen und Mädchen, die lernen wollen, wie man sich gegen Angriffe und Belästigung wehren kann.



Zunächst ging es im ersten Theorieteil darum, wie man Gefahren erkennt und wie man vermeidet, erst in eine brenzlige Lage zu kommen. Gleich im Anschluss zeigte Christian auf der Matte, was man alles tun kann, wenn doch in eine handfeste Auseinandersetzung geraten ist und wie man verschiedene Angriffe unkompliziert und wirkungsvoll abwehren kann. Um einen Kampf zu vermeiden, wurde geprobt, mit Einsatz der Stimme und einem entschlossenen Auftreten den Gegner zu stoppen.
Silvia zeigte, dass auch sehr kleine Leute durch entschlossenes und aggressives Auftreten dem Gegner Kontra geben können, ohne dass es zum Kampf kommen muss.
Anschließend stellte Alexandra vom Kinderschutzdienst hautnah e.V. die Arbeit von Hilfseinrichtungen für Kinder und Familien vor und gab nützliche Hinweise, wie man Opfern von Gewalt und Missbrauch helfen kann und wie man handeln kann wenn man selber von Gewalt betroffen ist. Zur Rechtslage bei Notwehr und Nothilfe hatten der Jurist Hans-Olaf und Kerstin von der Polizei so manchen nützlichen Hinweis. Es gab lebhafte Debatten der Teilnehmer, fast jeder hatte bereits direkt oder indirekt mit Gewalt und deren Opfern zu tun.



Nach der Arbeit an den teilweise sehr bedrückenden Themen führte die Anwesenden in die akrobatischen Bewegungsabläufe des Capoeira ein, ein entspannender und fröhlicher Ausklang des ersten Tages. Abends stieg im Gesindehaus Frienstedt eine kleine Party zum Kennenlernen und Plaudern, für das leibliche Wohl sorgten die Gastgeber mit Würstchen und Sushi.



Am Tag zwei konnte jede Teilnehmerin in den Rollenspielen testen, wie man sich selber in einer typischen Gefahrensituation behaupten würde. Fabian mimte im Vollschutzanzug den perfekten Bösewicht oder aber harmlosen Passanten, die es zu unterscheiden galt. Da alle zuguckten und die Szenen gefilmt wurden, war auch die Aufregung aller Beteiligten echt.



Jede Szene wurde analysiert um Tipps zu geben und Fehler zu vermeiden. In den insgesamt 16 Stunden erfuhr jeder Teilnehmer etwas Neues, aufgeräumt wurde auch mit vielen Klischees zum Beispiel, dass der einmalige Gang durch den gefürchteten finsteren Park weit sicherer ist als das eigene Zuhause oder dass ruhige Dörfer mitnichten sicherer sind als die Straßen Berlins.



Alles in allem war das wieder ein wertvoller Workshop, in dem bewiesen wurde, dass jeder sich wehren kann. Bleibt zu hoffen, dass es weitere davon geben wird und die Frauen erreicht werden können, die diese Unterstützung dringend brauchen und sich bisher nicht an das Thema herantrauten.

Anne Kretzschmar

Ganz viele Bilder findet man unter Fotoalbum -> Lehrgänge!



Ein Eindruck von Sabine Reinsch, Studentin in Jena:

Ja, es lohnt sich auf jeden Fall so einen Kurs einmal mit zu machen, da man
so erst bewußt darauf aufmerksam gemacht wird, was einem eigentlich ständig
auf der Straße passieren kann. Außerdem ist es gut wenigstens einmal
versucht zu haben, sich gegen jemanden zu wehren - es ist zumindest sicherer
als nie etwas gegen Belästigung o.a. effektiv zu tun.
Zum anderen fand ich es auch sehr gut, dass verschiedene Altersklassen
vertreten waren und so auch verschiedene Erfahrungen ausgetauscht werden
konnten. Man hat nicht nur gelernt wie man sich wehrt, sondern dass man auch
allein durch Reden viel "Hilfe" geben kann, halt einfach, dass man über
unangenehme Dinge mal spricht und vielleicht merkt, dass man nicht allein
ist.

LG Sabine